Ein Weblog für den Deutschunterricht

Deutsche und Tschechen

Am Freitag und Samstag (19. – 20. Oktober 2007) nahm ich an einem interkulturellen Training für deutsche und tschechische Studierende teil. Diese Veranstaltung wurde von forost unterstützt und in Pilsen mit Hilfe von Tandem organisiert. Ich war davon total begeistert, deshalb würde ich euch davon auch gerne erzählen.

Dort waren sechs Studenten aus Deutschland (Berlin, Leipzig, Bayern) und sechs tschechische Studenten. Unsere Lektoren waren zwei Psychologie-Studentinnen von der Uni Regensburg. Das Programm war sehr vielfältig. Es bestand hauptsächlich aus praktischen Übungen, Fallbeispielen und dazu kam in richtigen Maßen auch Theorie. Und das Thema? Kultur, interkulturelle Unterschiede, Konflikte, die daraus entstehen und Lösungen, die man finden sollte.

Von diesen zwei Tagen habe ich ein paar Tipps zum Alltag in Deutschland mitgebracht, die man im Hinterkopf beinhalten sollte, damit man Konflikte und Missverständnisse vermeidet.

Zwischen Deutschen und Tschechen gibt es insgesamt mehr Gemeinsames als Trennendes, als man sich vielleicht vorstellt. Trotzdem sollte man folgendes wissen.

Deutsche sind sehr diskussionsfreudig. Wenn ihr mit ihnen diskutiert, bringen Sie vernünftige Argumente. Deutsche kehren nichts unter den Teppich, sonder widersprechen bei Meinungsverschiedenheiten. Im Unterschied zu Tschechen drücken sie bei einem Konflikt keine starken Emotionen aus. Auch das Wort „nein“ wird in Deutschland häufiger gehört als in Tschechien. In den deutschen Schulen gibt es nämlich ein meiner Meinung nach sehr wichtiges Fach, in dem die Schüler lernen, wie man argumentieren kann und soll.

Vor kurzer Zeit habe ich folgenden Satz gehört: „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps!“ Es bedeutet, dass Berufs- und Privatleben wird scharf getrennt. Man spricht in der Arbeit über Probleme und Erlebnisse aus seinem privaten Leben gar nicht. Um dies und jenes zu besprechen, geht man nicht in die Arbeit, sondern in die Kneipe.

In der Regel machen Deutsche alles plangemäß, eines nach dem anderen. Improvisation ergibt sich in Deutschland nicht so häufig wie in Tschechien.

Die Anrede von „höhergestellten Personen“ ist wenig autoritativer als in Tschechien. Lehrer und Ingenieure werden ohne Titel angeredet. Eine Abweichung von dieser Regel bilden nur Uniprofessoren und Ärzte.

Beim Essen wird man nicht zweimal aufgefordert. Daher können viele Tschechen in Deutschland vor leeren Schüsseln sitzen, denn die beliebte tschechische Aufforderung „Esst, esst“ kommt nicht.

In der Kneipe oder im Restaurant bezahlt man zumeist für sich selbst. Dies gilt auch für die Frauen. Kein Wunder, wenn auch ein Glas Mineralwasser mindestens 2,50 Euro kostet!

Das Auto wird in Deutschland fast immer benutzt. Es dient wie zum Beispiel Schuhe. Auch die Kurzstrecken werden mit dem Auto gefahren.

Die Emanzipation ist in Deutschland ein Stück weiter als in Tschechien. Deutsche Männer können gerne und gut kochen, Frauen dagegen fahren oft Motorrad.

Zum Schluss wollte ich noch sagen, dass Beschreibungen von Kulturunterschieden nie objektive Beschreibungen sind, sondern immer nur „im Vergleich zu“ einer anderen Kultur oder Einstellung zu sehen.

Ein interkulturelles Spiel...

23.10.07 21:13

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Vaclav Prochazka (5.11.07 16:34)
Zajímavý článek a ještě zajímavější akce, kterou velmi pěkně popisuje. Jen škoda, že jsem tam nebyl!
V.

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